„Suum cuique" - „Jedem das Seine", oder auch nicht?

„Suum cuique“ ist ein Grundsatz aus dem antiken Griechenland welchen Platon (428/427-348/347 v. Chr.) in der Politeia prägte. Auch Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.) nutzte diese Worte bereits vor weit mehr als 2.000 Jahren und auch Shakespeare, Eduard Mörike, Friedrich Nietzsche und Johann Sebastian Bach verwendeten diese historischen Worte oder zumindest deren Bedeutung.

Mittlerweile schmückt der Grundsatz „Suum cuique“ nicht nur den Hohen Orden vom Schwarzen Adler (einen der höchsten preußischen Orden) und die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Kopenhagen, sondern auch das Wappen der Feldjäger der deutschen Bundeswehr.

Aber vor 70 Jahren wurde diese Aussage auch in einem anderen Zusammenhang verwendet. Die Inschrift über dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald trug die Inschrift „Jedem das Seine“. Seit diesem Zeitpunkt hat die Verwendung der Aussage erheblich an Bedeutung gewonnen.

Namenhafte Firmen wie McDonald’s (Werbung für Menüs in Thüringen), Burger King (Handzettel-Aktion), Nokia (für neue Handys mit auswechselbarem Cover), REWE (Werbung für Grillzubehör), Microsoft (Werbung für Bürosoftware) und zu letzt Esso und Tchibo (Werbung für Kaffee mit dem Slogan „Jedem den seinen“) haben in der Vergangenheit diese historische Aussage zu Werbezwecken verwendet, alle mit dem gleichen Ergebnis. Die Werbung wurde aufgrund von Protesten zurückgezogen.

Gegen Nokia und Microsoft protestierte seinerzeit das American Jewish Commitee, hier zu Lande protestiert der Zentralrat der Juden. Aber mit welcher Begründung?

Ist die Verwendung eines historischen Zitates nun eine „nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit“ oder das Resultat „totaler Geschichtsunkenntnis“, wie es der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn behauptet?

Wo sind die objektiven und fundierten Aussagen, welche die Nichtverwendung dieser Worte rechtfertigen?

Seit über 2000 Jahren existiert diese Aussage nun, und sie wurde in dieser Zeit ausschließlich von positiven Verwendungen geprägt. Wenn jetzt lediglich die acht Jahre betrachtet werden, in der die Verwendung durch die Nationalsozialisten geprägt wurde, mag die Aussage ja noch Hand und Fuß haben, aber wenn man den gesamten, historischen Kontext betrachtet, so erscheinen diese acht Jahre als eine winzig kleine Epoche in unserer aller Geschichte.

In Anbetracht dieses historischen und aussagekräftigen Kontextes frage ich mich, ob wirklich die Mitarbeiter der Werbeagenturen, oder ob nicht vielleicht doch Herr Salomon Korn an totaler Geschichtsunkenntnis leidet. Hätte er sich den geschichtlichen Hintergrund einmal vor Augen geführt, dann hätte er zu dem Schluss kommen müssen, dass die von ihm getätigte Aussage nicht haltbar ist. Er hätte sehen müssen, dass bei dieser Aussage 2000 Jahre „gute Verwendung“ acht Jahren „schlechte Verwendung“ gegenüber stehen.

Es ist aber auch nicht verständlich, dass sich unter anderem solch namenhafte Unternehmen wie zum Beispiel Esso und Tchibo von einer solchen Aussage von ihrem Weg abbringen lassen. Scharen von Anwälten müssen klagen, wenn Verbraucher ihre Rechte durchsetzen wollen, aber die Aussage einer einzelnen Person stoppt eine ganze Werbecampagne?

Was folgt jetzt noch? Muss die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Kopenhagen nun Ihr Motto ändern, müssen Feldjäger der deutschen Bundeswehr nun ihr Barett entsorgen?

Ich frage mich, in was für einer Zeit leben wir, dass der Vizevorsitzende eines religiösen Dachverbandes eine solche Macht besitzt, eine Macht welche ihm in keiner Weise zusteht. Wäre es hier nicht an der Zeit einmal aufzuzeigen und zu sagen „Stopp, so nicht!“ Die Deutsche Geschichte kann nicht maßgeblich sein für Aussagen, welche vor unserer Zeitrechnung getätigt wurden.

Aber zu diesem Thema äußert sich niemand. Kein Politiker, kein Vorsitzender eines großen Wirtschaftskonzerns, kein Star und kein anderer namenhafter Bürger. Alle haben Angst, weil es um unsere ach so schlechte Vergangenheit geht. Natürlich sind die zwölf Jahre Nationalsozialismus keine positive geschichtliche Entwicklung, aber es ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserer Vergangenheit. Ein „Schandfleck“ welcher in der globalen Historie nicht der einzige ist, auf welchem aber rumgeritten wird sonder gleichen.